Stellungnahme des Kirchengemeinderates und des Pastoralteams der katholischen Kirchengemeinde St. Konrad zu Missbrauch und Vertuschung in der katholischen Kirche – und Einladung zum Austausch

Wir sind entsetzt, bestürzt und schämen uns über die Missbrauchsfälle in der Katholischen Kirche. Diese sind nicht neu, sie wurden aber durch das „Gutachten zum Missbrauch und Vertuschung in der Erzdiözese München und Freising“ erneut zutage gebracht.

Unser Mitgefühl gilt zuallererst den Opfern, vielen Kindern und Jugendlichen, denen unsägliches Leid zugefügt wurde und die zum Teil bis ins Erwachsenenalter darunter zu leiden haben. Unerträglich ist es für uns, dass viele bis heute keinerlei Unterstützung und Zuspruch erhalten haben. Das muss sich ändern!

Es macht uns wütend, wie Bischöfe und Verantwortliche in der Katholischen Kirche, statt sich den Opfern zuzuwenden, bis heute Täter schützen. Taten wurden vertuscht und verleugnet. Es wurde primär versucht, Schaden von der Institution Kirche abzuwenden und den guten Ruf zu wahren. Das Wohl der Kirche war wichtiger als das Leid der Opfer. Die Kirche offenbart hier ein System der Vertuschung, des Vergessens und der allzu schnellen Vergebung.

Wir fordern von den Bischöfen und allen in der Leitung der Kirche Tätigen, das Leid der Missbrauchsopfer uneingeschränkt anzuerkennen. Wir erwarten, sie angemessen zu entschädigen. Wir fordern, dass, gegebenenfalls durch neutrale nicht-kirchliche Stellen, umfassend aufgearbeitet wird. Die Verantwortlichen müssen auch zu ihrer Verantwortung stehen, ihre Schuld eingestehen, aufrichtige Reue zeigen und spürbar Konsequenzen für ihr Handeln tragen.

Die Katholische Kirche muss endlich umkehren. Sie darf die Grundlagen des Christlichen Glaubens nicht weiter verraten, sondern muss sie selbst aufrichtig vorleben und umfassende und nachhaltige Reformen umsetzen. Es ist nicht tragbar, dass der Erhalt bestehender Strukturen über dem Wohl der Menschen steht. Es ist nicht tragbar, dass Kirchenkritiker verurteilt, Frauen herabgesetzt, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung ausgestoßen, Täter jedoch geschützt werden.

Wir als Kirchengemeinde St. Konrad wollen ein anderes Bild von Kirche zeigen. Wir wollen Schutzraum für Kinder sein und haben deshalb unter anderem ein Schutzkonzept gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch von Kindern. Wir wollen Kirche sein, die Kinder schützt und ihnen die Liebe Gottes vermittelt, eine Kirche, die alle Menschen bedingungslos annimmt und ihnen im Geiste Jesu Christi begegnet. Das Miteinander und der Mensch stehen für uns dabei stets im Mittelpunkt all unserer Überlegungen.

Der Kirchengemeinderat und das Pastoralteam der Kirchengemeinde St. Konrad Plochingen

Einladung zum Austausch zur Situation der katholischen Kirche
Angesichts der schwierigen Lage der Kirche laden wir zum Gespräch ein:
Samstag 12.03. nach dem Abendgottesdienst um ca. 19 Uhr im Gemeindehaus in Altbach
Samstag 19.03. nach dem Abendgottesdienst um ca. 19 Uhr im Edith-Stein Saal im Gemeindezentrum St. Konrad.
Montag 21.03. um 19.30 Uhr im Gemeindesaal in Reichenbach.